Betriebsbesichtigung Elektrofachbetrieb “Auf Draht”

29. März 2021 / Dr. Christian Pundt

Am 29. März war ich zu Besuch bei „Auf Draht Elektrotechnik GmbH“, um mehr über die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen des Handwerks zu erfahren. Der Geschäftsführer Bernd Janßen, der auch stellv. Obermeister der Elektro-Innung Oldenburg  ist und seine Frau Bianca Janßen, die u.a. den Backoffice Bereich steuert, haben ihren Wohn-und Firmensitz in Hatten. Der Handwerksbetrieb mit 12 MitarbeiterInnen ist räumlich mit dem Logistik-Zentrum in der Stadt Oldenburg, im Gewerbegebiet Tweelbäke, angesiedelt, da es keine Gewerbegrundstücke in Hatten gab. 

Immer schwieriger wird die Suche nach qualifiziertem Nachwuchs, da das Handwerk den SchulabgängerInnen trotz der hervorragenden Zukunftschancen wenig attraktiv erscheint. Der Betrieb möchte gerne in jedem Jahr zwei neue Auszubildende einstellen. Mittlerweile wird es jedoch immer schwieriger, junge Menschen für das Handwerk zu begeistern. Die Suche nach gutem Nachwuchs geht auch in die Abiturjahrgänge, um überhaupt noch Auszubildende zu finden. „Wir haben gut zu tun und dafür brauchen wir qualifiziertes Personal“, so Bernd Janßen. Auf der Homepage werden die MitarbeiterInnnen selber als „Die Drahties“ bezeichnet, die mehr als ein Team sind. Sie sehen sich als Familie, die auch im Bereich der Fortbildung neue Wege geht. Der Betrieb nimmt am Projekt „Weiterbildung in Niedersachsen“ teil, das durch den europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert wird. 

Der Betrieb geht auch in der Außendarstellung neue Wege. Facebook und Instagram werden auch als Werbemedien positiv aufgenommen. Als Verwaltungschef ist es mir wichtig, dass wir den Mittelstand stärken. In Zeiten der Corona-Krise hat sich gezeigt, dass der Mittelstand weniger krisenanfällig ist und selber eine Fähigkeit zur Resilienz entwickelt hat. Die Krise habe gezeigt, dass das Handwerk gerade jetzt sehr gefragt sei, so Bernd Janßen. Die Menschen bringen derzeit aufgrund der Pandemie und fehlenden Alternativen ihre Häuser in Ordnung. Somit haben die Handwerksbetriebe mehr als genug zu tun und deshalb können nicht Aufträge alle bedient werden. 

Die Sorge für die Zukunft ist natürlich, dass nach Corona die Menschen mehr in Freizeit und Urlaub investieren und in der Folge die Handwerksbetriebe ggfs. entsprechend weniger zu tun haben. Die Gemeinden und der Landkreis müssen AnsprechpartnerIn sein und Informationen direkt an die Gewerbe-und Handelsvereine weitergeben. Die derzeitige Situation zeigt deutlich, dass wir hier schneller mit der Informationsweitergabe und auch transparenter sein müssen. Auch die Umsetzung der Zukunftsthemen, Nachhaltigkeit und Umweltschutz ist nur mit einer starken Wirtschaft möglich. Geht es der Wirtschaft schlecht, ist die Umsetzung von nachhaltigen Entwicklungen und Umweltschutzmaßnahmen schwieriger, da sich diese meist auch in den Investitionen wieder spiegeln. Weiterhin braucht es das gesellschaftliche Verständnis für das Handwerk. Es ist keine gute Entwicklung, wenn die Berufswahl direkt nur vom Monatseinkommen abhängt und nicht vom Eigeninteresse der BewerberInnen abhängt. Bernd Janßen beschreibt selbst noch einen Wunsch: „Wir müssen wieder näher an die Schulen, um uns und dass Handwerk wieder besser vorstellen zu können.“ Dich sehe es als meine zukünftige Aufgabe an, hier für mehr Vernetzung und Transparent bei Entscheidungsprozessen zu sorgen.